Islamische Schule in Deutschland – Warum gibt es sie (fast) nicht?
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Von Martin | Muslim Kids Entertainment
Als muslimischer Elternteil stellt man sich irgendwann dieselbe Frage:
Gibt es eigentlich eine islamische Schule in meiner Nähe – wo mein Kind lernt, die
islamische Identität bewahrt und vor schlechten Einflüssen geschützt ist?
Die ehrliche Antwortist: In Deutschland so gut wie nicht.
Und das, obwohl hier über 4 Millionen Muslime leben und rund 1,6 Millionen
muslimische Kinder deutsche Schulen besuchen. Wie kann das sein? Was steckt
dahinter? Und was müsste passieren, damit sich das ändert?
In diesem Artikel gehen wir der Sache auf den Grund – sachlich, ehrlich und mit einem
Blick auf das, was möglich wäre.
Dieser Beitrag ist Teil unseres größeren Themas islamische Erziehung in der modernen Welt – hier betrachten wir den schulischen Aspekt.
Was gibt es überhaupt – und was nicht?
Islamischer Religionsunterricht an staatlichen Schulen gibt es – aber nur begrenzt. Laut
Mediendienst Integration bieten inzwischen elf Bundesländer islamischen
Religionsunterricht oder Religionskunde an. Aber seien wir ehrlich: Ein paar Stunden pro
Woche ersetzen keine islamische Schule. Es geht uns nicht primär darum, dass unsere
Kinder den Islam in der Schule lernen – es geht darum, dass sie ihre islamische Identität
bewahren und vor Einflüssen geschützt sind, die dieser Identität widersprechen.
Hinzu kommt: Die Qualität und der Inhalt variieren stark – je nach Bundesland, Schule
und Lehrperson. Unser Tipp: Sprich direkt mit dem Religionslehrer. Schau dir das
Unterrichtsmaterial an. Als Elternteil hast du nicht nur das Recht dazu – du hast die
Verantwortung. Wir bei Muslim Kids Entertainment haben bereits Anfragen von
islamischen Religionslehrern erhalten, die nach geeignetem Unterrichtsmaterial suchen.
Auch hier können Eltern aktiv werden.
Islamische Privatschulen gibt es in Deutschland praktisch nicht. Die bekannteste
Ausnahme ist die Islamische Grundschule Berlin, die seit 1989 existiert – genehmigt nicht
als konfessionelle Schule, sondern als Weltanschauungsschule.
Islamische Kindergärten gibt es vereinzelt – hier ist die rechtliche Hürde etwas niedriger.
Aber auch dort berichten viele Träger von erheblichem Druck von außen und
bürokratischen Hürden.
Was sagt das Grundgesetz?
Gemäß Artikel 7 Absatz 3 GG ist Religionsunterricht garantiert – als einziges Schulfach
direkt im Grundgesetz verankert. Er findet statt in Übereinstimmung mit den
Grundsätzen der jeweiligen Religionsgemeinschaft.
Aber das Entscheidende ist: Wer als Religionsgemeinschaft anerkannt ist, hätte sogar
das Recht, eine eigene islamische Schule zu gründen – vollständig, mit staatlicher
Unterstützung, wie es die Kirchen seit Jahrzehnten tun.
Das Problem: Keine muslimische Organisation in Deutschland erfüllt diese
Voraussetzung vollständig.
Das bayerische Kultusministerium formuliert es klar: Keine islamische Organisation erfüllt
die rechtlichen Merkmale einer Religionsgemeinschaft im verfassungsrechtlichen Sinne
vollständig.
Warum klappt die Anerkennung nicht?
-
Die Zersplitterung der muslimischen Verbände
DITIB, VIKZ, Zentralrat der Muslime, Islamrat – sie alle vertreten unterschiedliche
Strömungen und Interessen. Eine einheitliche Stimme fehlt. Der VIKZ stellte bereits 1979 einen Antrag auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts – ohne Ergebnis. -
Die Herausforderung überregionaler Strukturen
Die DITIB hat viele treue Gemeinden. Die Herausforderung: Sie ist eng mit der türkischen Religionsbehörde Diyanet verbunden – was eine unabhängige Anerkennung als deutsche Religionsgemeinschaft erschwert. Das ist keine Kritik an den Gemeinden selbst – es zeigt aber, wie wichtig unabhängige, in Deutschland verwurzelte Strukturen wären. -
Der öffentliche Diskurs
Der gesellschaftliche Blick auf den Islam ist oft von Misstrauen geprägt. Eine islamische Privatschule in München musste den Betrieb einstellen, nachdem der Trägerverein von den Behörden offiziell als problematisch eingestuft wurde – wie immer man das im Einzelfall auch bewerten mag. -
Bürokratische Hürden
Finanzierung, Lehrpläne, Lehrerqualifikation – alles muss staatlichen Standards
entsprechen. Ohne starke Struktur und finanzielle Mittel ist das kaum zu stemmen.
Ein positives Beispiel: Die Islamische Föderation Berlin
Die IFB wurde 1980 gegründet und erströmte 2001 das Recht auf islamischen
Religionsunterricht in eigener Trägerschaft. Gemeinden einer Region schlossen sich
zusammen, kämpften jahrelang – und gewannen. Genau das ist der Schlüssel: nicht eine
Organisation von oben, sondern Gemeinden die Verantwortung übernehmen. Das
könnte Vorbildcharakter haben. if-berlin.de
Was müsste passieren?
Muslimische Organisationen müssten als Körperschaft des öffentlichen Rechts
anerkannt werden — so wie die katholische und evangelische Kirche. Die Bedingungen
laut Verfassungsrecht:
- Dauerhaft und stabil — durch Verfassung und Mitgliederzahl
- Rechtstreue nachweisen
- Mindestens ein Tausendstel der Bevölkerung eines Bundeslandes als Mitglieder
- Ausreichende Bestandsdauer
Dass es möglich ist, zeigt: Die Ahmadiyya erhielt 2013 als erste Gemeinschaft diesen
Status.
⚠ Wichtiger Hinweis: Die Ahmadiyya sind keine Muslime im islamischen Sinne. Sie
glauben an einen Propheten nach dem Propheten Muhammad صلى الله عليه وسلم — damit widersprechen sie einem der grundlegendsten Glaubenssätze des Islam. Sie vertreten eine eigene Glaubensrichtung die nichts mit dem Islam zu tun hat. Dieses Beispiel ist rein rechtlicher Natur.
Muslimische Verbände müssen zusammenkommen — Einheit ist die Grundvoraussetzung.
Politischer Wille und Transparenz — unfaire Ausgangslage, aber die Realität.
Organisationen wie die Föderale Islamische Union setzen sich bereits dafür ein.
Wie sieht es in anderen Ländern aus?
In England, den Niederlanden und Belgien gibt es islamische Schulen – teils staatlich
finanziert. Deutschland ist in dieser Hinsicht kein Vorbild.
-> In einem eigenen Artikel schauen wir uns die islamischen Schulen in Europa im Vergleich Land für Land an.
Und Homeschooling?
In Deutschland grundsätzlich verboten. In anderen Ländern sieht das anders aus.
-> Teil 3: Homeschooling als Alternative - wo ist es legal und wie funktioniert es islamisch?
Was kannst du als Elternteil heute tun?
Auf islamische Erziehung in deutschen Schulen können wir uns nicht verlassen. Wir
müssen selbst aktiv werden.
Kurzfristig:
-
Religionsunterricht kritisch begleiten — wachsam bleiben was und von wem
gelehrt wird
- Moschee-Unterricht und Koranschulen — als Ergänzung
- Islamische Bildung zuhause — Bücher, Gespräche, Vorbilder
Für alle, die sich das zutrauen:
Engagiere dich. Schließ dich mit anderen Eltern zusammen. Arbeite an Strukturen mit.
Veränderung kommt von unten.
Langfristig:
Wer keine Kompromisse eingehen möchte, sollte auch andere Wege in Betracht ziehen
— z.B. ein Land mit islamischen Schulen.
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Fazit
Die rechtlichen Möglichkeiten wären vorhanden. Was fehlt: eine geeinte Stimme,
politischer Wille, gesellschaftliches Vertrauen. Die gute Nachricht: Beispiele wie die IFB
Berlin zeigen, dass es geht.
Islamische Erziehung beginnt nicht erst in der Schule. Sie beginnt zuhause.
Das sind unsere Recherchen. Falls du weitere Infos oder Erfahrungen hast - hinterlasse
einen Kommentar! Gemeinsam wissen wir mehr.
Dein Martin von Muslim Kids Entertainment
Damit unsere Kinder den Islam lieben und leben
Quellen: Mediendienst Integration · IslamiQ · Islamische Grundschule Berlin · IFB Berlin ·
Mediendienst – Ahmadiyya · Föderale Islamische Union
3 Kommentare
Der Mängel von Hausunterricht oder islamischen Schulen in Deutschland ist bedauerlich. Ich hoffe, dass dies bald wieder möglich sein wird, wie in den Nachbarländern.
Freue mich auf die Folgebeiträge! :)
Wer eine muslimische Schule gründen will, wartet nicht auf die Anerkennung des Islam als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Das wäre ein historischer Fehler — die KdöR‑Anerkennung kann noch Jahrzehnte dauern, bei manchen Verbänden vielleicht nie kommen. Das Privatschulrecht ist davon unabhängig. Das Beispiel der Berliner Islamischen Grundschule beweist es seit 35 Jahren.