Dhikr im Islam – kinderleicht erklärt
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Bismillah.
Es gibt eine Form der Anbetung, für die dein Kind keinen Gebetsteppich braucht, keine bestimmte Uhrzeit und keinen ruhigen Raum: Dhikr. Er geht im Auto, beim Zähneputzen, im Bett. Und trotzdem wiegt er auf der Waage schwerer als fast alles andere. Hier erfährst du, was Dhikr bedeutet, welche Sätze dein Kind zuerst lernen sollte und wie ihr daraus eine Familiengewohnheit macht.
Was bedeutet Dhikr?
Dhikr bedeutet Gedenken Allahs. Immer wenn du Allah in Erinnerung rufst – mit einem „SubhanAllah“, einem „Alhamdulillah“, einer Sure oder einem Bittgebet – ist das Dhikr.
Allah sagt: Wahrlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe. (Sure ar-Rad, 13:28)
Warum das Gleichnis vom Lebenden und vom Toten?
Der Prophet ﷺ sagte: „Das Gleichnis dessen, der seines Herrn gedenkt, und dessen, der es nicht tut, ist wie das Gleichnis des Lebenden und des Toten.“ (Sahih al-Bukhari 6407)
Das klingt hart – gemeint ist aber kein Urteil, sondern ein Bild. So wie der Körper durch die Seele lebt, lebt das Herz durch das Gedenken Allahs. Ein Herz ohne Dhikr ist noch da, aber es tut nicht mehr das, wofür es gemacht wurde. Ibn al-Qayyim nutzt denselben Vergleich und ergänzt: Dhikr ist für das Herz wie Wasser für den Fisch. Nimm dem Fisch das Wasser – und schau, was passiert.
Für dein Kind reicht das kurze Bild: „Wenn wir an Allah denken, wird unser Herz wach.“
Muss man Dhikr aussprechen?
Ja – und das ist wichtiger, als viele denken. Die Mehrheit der Gelehrten sagt: Damit etwas als Dhikr zählt, müssen sich Zunge und Lippen bewegen. Laut muss es nicht sein, ein Flüstern genügt – aber die Worte müssen gesprochen werden.
Der Beleg ist ein Hadith Qudsi: Allah sagt: „Ich bin bei Meinem Diener, wenn er Meiner gedenkt und sich seine Lippen mit Meiner Erwähnung bewegen.“ (Sunan Ibn Madscha, von al-Albani als sahih eingestuft)
Was nur im Herzen bleibt, ist wertvoll – es gilt als Nachdenken über Allah und wird belohnt, in schaa Allah. Aber es ersetzt den ausgesprochenen Dhikr nicht.
Bring es deinem Kind also so bei: gesprochen, hörbar oder zumindest mit sichtbar bewegten Lippen. Das ist der sichere Weg – und ganz nebenbei lernen Kinder die Worte so viel schneller.
Die drei Sätze, mit denen alles anfängt
Wenn dein Kind nur drei Dinge lernt, dann diese:
SubhanAllah – „Gepriesen sei Allah.“ Wir sagen es, wenn wir staunen: über ein Gewitter, über das Meer, über etwas Unbegreifliches.
Für Kinder: „Allah ist vollkommen. Er macht keine Fehler.“
Alhamdulillah – „Alles Lob gebührt Allah.“ Der Dank-Satz: nach dem Essen, nach dem Trinken, wenn etwas gut gegangen ist.
Für Kinder: „Danke, Allah – alles Gute kommt von Dir.“
Allahu Akbar – „Allah ist größer.“ Größer als jede Sorge, jeder Streit, jede Angst.
Für Kinder: „Egal wie groß etwas ist – Allah ist größer.“
Über zwei dieser Worte sagte der Prophet ﷺ: „Zwei Worte, die leicht auf der Zunge sind, schwer auf der Waage und geliebt vom Allerbarmer: SubhanAllahi wa bihamdih, SubhanAllahil-Azim.“ (Sahih al-Bukhari 6682) Genau das ist das Schöne für Kinder: winziger Aufwand, riesiger Wert.
Dhikr nach dem Gebet – auch in kurz
Nach jedem Pflichtgebet gibt es einen festen Dhikr. Es gibt ihn in mehreren überlieferten Formen – und die kürzeste ist für Kinder die beste.
Die kurze Form: je 10 Mal
Abdullah ibn Amr (radiya Allahu anhuma) überliefert, dass der Prophet ﷺ sagte: Zwei Dinge, die kein Muslim regelmäßig tut, ohne dass er ins Paradies eingeht – sie sind leicht, aber nur wenige tun sie. Nach jedem Gebet je zehnmal SubhanAllah, Alhamdulillah und Allahu Akbar. Das sind 150 am Tag auf der Zunge und 1500 auf der Waage. Und vor dem Schlafen 34 × Allahu Akbar, 33 × Alhamdulillah, 33 × SubhanAllah – 100 auf der Zunge, 1000 auf der Waage. (Sunan Abi Dawud 5065, Sunan at-Tirmidhi 3410, sahih)
Die volle Form: 33 – 33 – 34
Der Prophet ﷺ sagte, wer nach jedem Pflichtgebet 33 × SubhanAllah, 33 × Alhamdulillah und 34 × Allahu Akbar sagt, wird nicht enttäuscht werden. (Sahih Muslim 596)
Beides ist Sunnah – die kurze Form ist kein Kompromiss, sondern eine eigene Überlieferung mit eigener Belohnung. Fang bei kleinen Kindern mit den zehn an. Die Zahl ist nicht das Ziel, die Gewohnheit ist es.
Morgen und Abend: die Adhkar für den Tag
Diese Sätze rahmen den Tag ein. Nimm für dein Kind zwei oder drei davon, nicht alle.
Morgens nach dem Aufwachen: „Alhamdulillah, Der uns leben ließ, nachdem Er uns hat sterben lassen – und zu Ihm ist die Auferstehung.“ (Sahih al-Bukhari 6312) Für dein Kind reicht der Kern: „Alhamdulillah, Allah hat mir einen neuen Tag geschenkt.“
Morgens und abends, je dreimal: Bismillahilladhi la yadurru maa ismihi schai'un fil-ardi wa la fis-sama, wa huwas-Samiul-Alim. – „Im Namen Allahs, bei Dessen Namen nichts auf der Erde und nichts im Himmel schaden kann. Er ist der Allhörende, der Allwissende.“ (Sunan Abi Dawud 5088, Sunan at-Tirmidhi 3388)
Ayat al-Kursi – morgens, abends und nach den Pflichtgebeten. Der längste, aber lohnendste Vers zum Auswendiglernen.
Die drei Quls – al-Ikhlas, al-Falaq und an-Nas, morgens, abends und vor dem Schlafen. → Sure al-Ikhlas kinderleicht erklärt
Vor dem Einschlafen: Bismika Allahumma amutu wa ahya. – „In Deinem Namen, o Allah, sterbe ich und lebe ich.“ (Sahih al-Bukhari 6324)
Womit zählt man? Finger oder Gebetskette
Der Prophet ﷺ zählte mit den Fingern seiner rechten Hand (Sunan Abi Dawud 1502). Über die Finger sagte er, dass sie am Tag der Auferstehung befragt werden und Zeugnis ablegen (Sunan at-Tirmidhi 3486).
Viele Gelehrte sehen die Gebetskette als erlaubt an. Am sichersten ist es aber, der exakten Sunnah zu folgen – und für Kinder ist das ohnehin die schönste Variante: Die eigenen Finger sind immer dabei, gehen nicht verloren und werden nicht zum Spielzeug.
So wächst Dhikr in den Alltag
Nicht als Aufgabe, sondern als Anker an Momenten, die es sowieso schon gibt:
- Beim Aufwachen – der erste Satz des Tages.
- Beim Essen – „Bismillah“ davor, „Alhamdulillah“ danach.
- Wenn etwas schön ist – „SubhanAllah“ beim Sonnenuntergang, beim ersten Schnee, im Zoo.
- Wenn etwas schiefgeht – „Alhamdulillah ala kulli hal“, Lob in jeder Lage. Der wertvollste, weil er am schwersten fällt.
- Wenn dein Kind Angst hat – „Allahu Akbar. Allah ist größer als das.“
- Im Auto und vor dem Einschlafen – die stillen Minuten, in denen sonst nichts passiert.
Und der wichtigste Hebel: Vorleben wirkt stärker als anordnen. Ein Kind, das sieht und hört, dass du selbst Dhikr machst, übernimmt ihn von allein.
Je nach Alter
3–5 Jahre: ein einziger Satz, ständig wiederholt. Meist reicht „Alhamdulillah“ nach dem Essen. Kinder lernen hier über den Klang.
6–8 Jahre: die drei Sätze mit Bedeutung, dazu der Dhikr nach dem Gebet in der 10er-Form. Jetzt kann dein Kind verstehen, warum wir das sagen.
Ab 9 Jahren: Morgen- und Abend-Adhkar als eigene Routine, Ayat al-Kursi auswendig – und das Gespräch darüber, dass das Herz mitsprechen soll, nicht nur die Zunge.
Zwei Fehler, die die Freude nehmen
Zählen als Wettbewerb. Wer mehr schafft, hat nicht mehr gewonnen. Dhikr ist kein Punktespiel.
Gedankenlos herunterrattern. Lieber dreimal langsam und verstanden als hundertmal nebenbei. Frag ab und zu: „Was heißt das eigentlich, was du gerade gesagt hast?“
Häufige Fragen zum Dhikr
Muss man Dhikr aussprechen oder reicht es im Herzen?
Die Mehrheit der Gelehrten sagt: Zunge und Lippen müssen sich bewegen, damit es als Dhikr zählt. Flüstern genügt. Das Gedenken im Herzen ist wertvoll, ersetzt den ausgesprochenen Dhikr aber nicht.
Muss man Dhikr auf Arabisch machen?
Die überlieferten Formeln lernt man auf Arabisch – die Bedeutung sollte dein Kind auf Deutsch kennen. Allah in der eigenen Sprache zu loben ist ebenfalls Dhikr.
Braucht man Wudu für Dhikr?
Nötig ist er nicht, gut ist er trotzdem. Lass dich davon aber nicht abhalten – Dhikr ist gerade deshalb so wertvoll, weil er fast immer und überall geht.
Ab welchem Alter kann mein Kind anfangen?
Sobald es sprechen kann. Kleinkinder lernen „Alhamdulillah“ oft schneller, als du denkst.
Was ist der Unterschied zwischen Dhikr und Dua?
Dhikr ist Gedenken und Lob, Dua ist die Bitte. Beides gehört zusammen – meist folgt die Dua auf den Dhikr.
Wie oft am Tag soll man Dhikr machen?
Außerhalb der überlieferten Anlässe gibt es keine Pflichtzahl. Allah sagt: Gedenkt Allahs in häufigem Gedenken. (Sure al-Ahzab, 33:41) Wenig und regelmäßig ist besser als viel und selten.
Zum Schluss
Dhikr ist die Anbetung mit der niedrigsten Hürde und dem höchsten Ertrag. Kein Kind ist zu klein dafür, kein Tag zu voll. Fang mit einem einzigen Satz an, den ihr beide laut sagt – und lass ihn wachsen.
Möge Allah unsere Zungen feucht halten mit Seinem Gedenken und unsere Kinder zu denen machen, die Ihn oft erinnern. Amin 🤲
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