Die 5 Säulen des Islam: kindgerecht mit Quranversen erklärt
Share
Bismillah.
Vielleicht kennst du diesen Moment: Dein Kind schaut dich mit großen Augen an und fragt: „Mama, was müssen Muslime eigentlich machen?“ Oder dein Sohn kommt aus der Schule und erzählt, dass ein Freund im Ramadan fastet – und will wissen, warum.
Die Antwort steckt in fünf Begriffen, die das Fundament unseres Glaubens bilden: die fünf Säulen des Islam. Sie sind wie die tragenden Säulen eines Hauses – sie geben dem Glauben Halt und Form. Doch wie erklärt man einem Kind, was Schahada, Salah, Zakah, Sawm und Hadsch bedeuten, ohne es zu überfordern?
Genau dabei hilft dir dieser Artikel. Du findest hier:
- Was die fünf Säulen sind – einfach und mit Quranbelegen erklärt
- Pro Säule eine kindgerechte Erklärung, abgestuft nach Alter (3–5, 6–8, ab 9 Jahren)
- Konkrete Ideen, wie du jede Säule im Familienalltag lebendig machst
- Antworten auf die häufigsten Fragen, die Kinder – und Eltern – stellen
Du musst kein Gelehrter sein, um deinem Kind den Islam nahezubringen. Du brauchst Geduld, Liebe – und ein paar gute Worte zur richtigen Zeit. Lass uns das gemeinsam angehen: Schritt für Schritt, Säule für Säule.
Was sind die 5 Säulen des Islam?
Stell dir den Islam wie ein Haus vor. Damit ein Haus stehen kann, braucht es tragende Säulen – nimmt man eine weg, gerät das ganze Gebäude ins Wanken. Genau so beschrieb der Prophet Muhammad ﷺ den Islam: als ein Bauwerk, das auf fünf Säulen ruht.
Abdullah ibn Umar (radiya Allahu anhuma) überlieferte, dass der Prophet ﷺ sagte: „Der Islam ist auf fünf (Säulen) gebaut: das Bezeugen, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist, das Verrichten des Gebets, das Entrichten der Zakah, die Pilgerfahrt zum Hause Allahs und das Fasten im Ramadan.“ (Sahih al-Bukhari 8, Sahih Muslim 16)
Diese fünf Säulen sind:
- Schahada – das Glaubensbekenntnis
- Salah – die fünf täglichen Gebete
- Zakah – von dem, was man mehr als genug hat, einen festgelegten Teil spenden
- Sawm – das Fasten im Ramadan
- Hadsch – die Pilgerfahrt nach Mekka
Alhamdulillah – die fünf Säulen sind eine der Sachen, die alle Muslime vereinen, ganz gleich, aus welchem Land sie kommen oder in welcher Tradition sie aufgewachsen sind. Sie verbinden rund zwei Milliarden Muslime weltweit – vom Kind in Aachen bis zum Großvater in Indonesien.
Und das Schöne für Eltern: Die fünf Säulen sind die absolute Basis – einfach zu verstehen, praxisnah und Tag für Tag erlebbar. Genau deshalb gehören sie zu den ersten Dingen, die wir unseren Kindern mitgeben dürfen. Du gibst deinem Kind damit nicht irgendein Wissen, sondern das tragende Gerüst seines Glaubens. Und das gelingt am besten dort, wo Kinder am meisten lernen – mitten im Alltag. → islamische Erziehung in der modernen Welt
1. Schahada – das Glaubensbekenntnis

Was bedeutet die Schahada?
Die Schahada ist die erste Säule des Islam – und die Tür, durch die jeder Mensch den Islam betritt. Sie besteht aus zwei Teilen:
„Aschhadu an la ilaha illa Allah, wa aschhadu anna Muhammadan rasul Allah“ – „Ich bezeuge, dass niemand das Recht hat, angebetet zu werden, außer Allah, und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.“
Im ersten Teil bekennen wir, dass allein Allah es verdient, angebetet zu werden – niemand und nichts sonst. Im zweiten bezeugen wir, dass Muhammad ﷺ Sein Gesandter ist, dem wir folgen. Diese wenigen Worte sind das Herzstück unseres Glaubens – so wichtig, dass sie im Adhan erklingen und in jedem unserer Gebete wiederkehren, Tag für Tag.
Was sagt der Quran?
Allah selbst weist uns auf dieses Bekenntnis hin. In Sure Muhammad heißt es: „So wisse, dass es keinen Gott außer Allah gibt…“ (Sure Muhammad 47:19)
Und der Prophet ﷺ zeigte uns, wie kostbar dieses Bekenntnis ist. Uthman ibn Affan (radiya Allahu anhu) überlieferte, dass er sagte: „Wer stirbt im Wissen, dass es keinen Gott außer Allah gibt, wird das Paradies betreten.“ (Sahih Muslim 26)
Wie erkläre ich die Schahada meinem Kind?
Schon bevor dein Kind die Worte ganz versteht, kannst – und solltest – du es sanft an die Kalimah gewöhnen. Kinder lernen durch Wiederholung und Klang. Ein schöner Weg sind kindgerechte Nasheeds ohne Instrumente, die die Schahada immer wieder aufgreifen – so wird sie vertraut, lange bevor sie erklärt wird.
Wähle dann die Worte, die zum Alter deines Kindes passen:
- 3–5 Jahre: „Wir glauben an Allah allein. Allah hat uns erschaffen, und Er liebt uns.“
- 6–8 Jahre: „Die Schahada ist unser Glaubensbekenntnis. Wir sagen: Man darf niemanden anbeten außer Allah – und Muhammad ﷺ ist Sein Gesandter.“
- ab 9 Jahren: Jetzt kannst du den arabischen Wortlaut einführen – mit Umschrift und Bedeutung – und gemeinsam darüber sprechen, was es heißt, Allah über alles zu lieben und dem Propheten ﷺ zu folgen.
Ein schöner Einstieg: Sprich mit deinem Kind über Allahs Namen und Eigenschaften – wer Allah ist, lässt die Schahada lebendig werden. → die 99 Namen Allahs kennenlernen Wenn dein Kind tiefer verstehen möchte, wer Allah ist, ist unser Buch „Wer ist Allah?“ ein liebevoller Begleiter dafür. Und wenn dein Kind fragt, woher alles kommt, hilft die Schöpfungsgeschichte, das „keinen Gott außer Allah“ greifbar zu machen. → die Schöpfungsgeschichte im Islam
2. Salah – die fünf täglichen Gebete

Warum fünf Gebete am Tag?
Fünfmal am Tag hält ein Muslim inne – beim Morgengrauen, am Mittag, am Nachmittag, bei Sonnenuntergang und in der Nacht – und wendet sich Allah zu. Das Gebet ist wie ein roter Faden, der den ganzen Tag durchzieht: Es erinnert uns immer wieder daran, woher wir kommen und wohin wir gehen. Überliefert ist, dass die fünf Gebete dem Propheten ﷺ in der Nacht der Himmelfahrt (Isra wal-Mi'radsch) geschenkt wurden – ein direkter Draht zwischen dem Diener und seinem Schöpfer.
Was sagen Quran und Sunnah?
Das Gebet ist im Quran fest verankert. Allah sagt: „Das Gebet ist den Gläubigen zu festgesetzten Zeiten vorgeschrieben.“ (Sure An-Nisa 4:103) Und an anderer Stelle erfahren wir, wozu es uns formt: „…das Gebet hält von Schändlichem und Verwerflichem ab…“ (Sure Al-Ankabut 29:45)
Der Prophet ﷺ machte deutlich, welchen Rang das Gebet hat. Mu'adh ibn Dschabal (radiya Allahu anhu) überlieferte: „Das Haupt der Sache ist der Islam, seine Säule ist das Gebet, und sein höchster Punkt ist der Dschihad auf dem Weg Allahs.“ (at-Tirmidhi, sahih) Das Gebet ist also die Säule, die das ganze Bauwerk trägt.
Die Zahlen auf einen Blick
Es gibt fünf Pflichtgebete am Tag: Fadschr (vor Sonnenaufgang), Zuhr (Mittag), Asr (Nachmittag), Maghrib (nach Sonnenuntergang) und Ischa (Nacht). Zusammen sind das 17 Rakaa (Gebetseinheiten) täglich – ein überschaubares Maß, das mit etwas Übung ganz selbstverständlich in den Tag passt.
Wie führe ich mein Kind ans Gebet heran?
Das Gebet wächst mit dem Kind. Statt Druck hilft ein liebevoller, konsequenter Aufbau über die Jahre:
- 3–6 Jahre: Lass dein Kind spielerisch mitmachen. Es darf neben dir stehen und sich mitbewegen. Zeig ihm langsam auch die Gebetswaschung (Wudu) und sprich beim gemeinsamen Gebet die Worte hörbar aus – so prägen sich die Sprüche ganz von selbst ein.
- 7–9 Jahre: Jetzt rufst du dein Kind aktiv zum Mitbeten auf – ohne zu viel Druck, aber beharrlich und konsequent. Ein bewährter Tipp: Arbeite viel mit Belohnungen, um Disziplin spielerisch aufzubauen. Ziel dieser Phase ist, dass dein Kind nach und nach alle Gebete regelmäßig mitbetet – und dass es die Fatiha, die Gebetssprüche und das Wudu richtig lernt. (Der Prophet ﷺ riet, Kinder ab sieben Jahren zum Gebet anzuhalten – Abu Dawud 495.)
- ab 10 Jahren: Jetzt sollte das Gebet fest im Alltag verankert sein – kein „Ob“, sondern eine Selbstverständlichkeit. Wenn die Phasen davor liebevoll aufgebaut wurden, sitzt das Gebet meist ganz ohne große Diskussionen. Diese Zeit eignet sich gut, um Stück für Stück über die Weisheiten und Bedeutungen des Gebets zu sprechen.
- ab der Pubertät: Mit Eintritt der Pubertät – im Islam an körperlichen Zeichen festgemacht (der Menstruation beim Mädchen, dem ersten Samenerguss beim Jungen oder dem Wachsen der Schambehaarung) – wird dein Kind vor Allah selbst für sein Gebet verantwortlich. Gerade das letzte Zeichen wird von vielen Eltern übersehen – dabei kann es der erste Hinweis sein, dass dein Kind nun rechenschaftspflichtig ist. Für uns als Eltern gilt deshalb: Spätestens ab zehn Jahren sollte das Gebet fester Bestandteil im Alltag sein. Dieses Fundament gut vorzubereiten, ist unsere Verantwortung vor Allah.
Den genauen Ablauf – Schritt für Schritt – findest du in unserer ausführlichen Anleitung. → wie man im Islam betet Und warum es gerade fünf Gebete sind und was jedes bedeutet, vertiefen wir hier: → die 5 täglichen Pflichtgebete im Detail. Ein schöner Begleiter ist außerdem ein gemeinsames Bittgebet für die ganze Familie. → Dua für deine Familie
3. Zakah – das Geben für andere

Was bedeutet Zakah?
Zakah ist die dritte Säule des Islam: Wer mehr besitzt, als er braucht, gibt jedes Jahr einen festgelegten Teil davon an Menschen ab, die weniger haben. Das Wort „Zakah“ bedeutet zugleich „Reinigung“ und „Wachstum“ – denn indem wir geben, reinigen wir unser Vermögen und unser Herz, und das, was bleibt, wird gesegnet.
Wichtig: Zakah ist kein freiwilliges Almosen, sondern eine Pflicht – ein Recht der Bedürftigen an unserem Besitz.
Was sagen Quran und Sunnah?
Allah nennt Gebet und Zakah im Quran oft in einem Atemzug: „…und verrichtet das Gebet und entrichtet die Zakah…“ (Sure Al-Baqarah 2:43) Und über die reinigende Kraft des Gebens heißt es: „Nimm von ihrem Vermögen eine Spende, mit der du sie reinigst und läuterst…“ (Sure At-Tauba 9:103)
Sogar die Empfänger sind festgelegt: Sure At-Tauba (9:60) nennt acht Gruppen, denen die Zakah zusteht – darunter die Armen, die Bedürftigen und die Verschuldeten.
Die Zahlen auf einen Blick
- 2,5 % des Vermögens, das über dem Mindestmaß (Nisab) liegt und ein Mondjahr lang im Besitz war
- Der Nisab entspricht ungefähr 85 g Gold (alternativ wird auch der niedrigere Silber-Wert herangezogen)
- 8 Empfängergruppen sind im Quran genau benannt (Sure At-Tauba 9:60)
Wie vermittle ich Zakah meinem Kind?
Kinder verstehen Zakah am besten, wenn sie das Geben selbst erleben:
- Stellt zu Hause ein Spendenglas auf, in das dein Kind regelmäßig etwas legt – und gemeinsam entscheidet ihr, wem ihr es gebt.
- Lass dein Kind die Spende selbst übergeben – die leuchtenden Augen eines beschenkten Menschen bleiben in Erinnerung.
- Erkläre den Unterschied: Die kleine, freiwillige Gabe heißt Sadaqa und darf jeder geben – die Zakah ist die jährliche Pflicht für Erwachsene, die genug besitzen.
So wächst von klein auf das Gefühl: Was Allah mir gibt, teile ich gern. Besonders schön lässt sich das mit Anlässen wie dem Eid verbinden, an denen Geben und Freude zusammenkommen. → Eid-Geschenke und Geben
4. Sawm – das Fasten im Ramadan

Was ist Sawm?
Sawm ist das Fasten im Monat Ramadan – die vierte Säule des Islam. Von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang verzichten Muslime auf Essen, Trinken und weitere Dinge, um ganz für Allah da zu sein. Doch Fasten ist weit mehr als Hunger: Es schult Geduld, Dankbarkeit und Mitgefühl – denn wer selbst einmal Hunger spürt, versteht die Not anderer besser.
Und es stärkt das Bewusstsein für Allah. Niemand sieht, ob wir heimlich einen Schluck trinken – außer Allah. Genau darin liegt eine besondere Kraft: „Ich könnte jetzt etwas trinken – aber ich weiß, Allah sieht mich, und ich tue es nicht, allein für Ihn.“ So lernt schon ein Kind, dass Allah immer gegenwärtig ist.
Was sagen Quran und Sunnah?
Allah hat das Fasten allen Gläubigen vorgeschrieben – und uns auch das Ziel dahinter genannt: „O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werdet.“ (Sure Al-Baqarah 2:183)
Und warum gerade der Ramadan? „Der Monat Ramadan ist es, in dem der Quran herabgesandt wurde, als Rechtleitung für die Menschen…“ (Sure Al-Baqarah 2:185)
Der Prophet ﷺ beschrieb, wie das Fasten uns schützt: „Das Fasten ist ein Schild.“ (Sahih al-Bukhari & Sahih Muslim) – ein Schutz, der das Herz stärkt und vor Schlechtem bewahrt.
Die Zahlen auf einen Blick
- Der Ramadan ist der 9. Monat des islamischen Mondkalenders
- Er dauert 29 oder 30 Tage, je nach Sichtung des Mondes
- Zwei Mahlzeiten rahmen den Fastentag: Suhur (vor der Morgendämmerung) und Iftar (beim Sonnenuntergang)
Wie führe ich mein Kind ans Fasten heran?
Wie beim Gebet wächst auch das Fasten mit dem Kind – Schritt für Schritt, mit Freude statt Druck. (Verpflichtend wird es erst ab der Pubertät.)
- bis 6 Jahre: rein spielerisch. Dein Kind ist beim Suhur und Iftar dabei und erlebt die besondere Stimmung mit – das gemeinsame Aufstehen im Dunkeln, die Vorfreude aufs Fastenbrechen. Mehr braucht es in diesem Alter nicht.
- 7–9 Jahre: Jetzt fastet dein Kind stundenweise mit – motivierend und so, wie es kann. In den kurzen Wintertagen darf es ruhig auch mal einen ganzen Tag versuchen; oft merken Kinder dann: „Das ist ja gar nicht so schwer!“ Wichtig ist die richtige Haltung: Geht es deinem Kind nicht gut, biete sofort das Fastenbrechen an. Aber solange es ihm sichtlich gut geht – es spielt lebendig herum und ist fit –, spricht nichts dagegen, es auch ganze Tage fasten zu lassen. Das stärkt sogar das Selbstvertrauen: „Ich bin nicht rund um die Uhr von Essen und Trinken abhängig.“ Unsere Erfahrung: Mit dieser Methode fällt vielen Kindern das Fasten schon mit etwa neun Jahren leicht – sie schaffen in den Herbst-, Frühlings- und Wintermonaten oft den ganzen Ramadan.
- ab 10 Jahren: Wenn die Jahre davor liebevoll aufgebaut wurden, ist das Fasten jetzt meist selbstverständlich – kein großes Thema mehr. Dein Kind ist optimal vorbereitet.
- ab der Pubertät: Nun wird das Fasten zur Pflicht (Fard). Ein Kind, das schon Jahre der sanften Übung hinter sich hat, tritt diese Phase ohne Mühe an – das Fasten ist längst ein vertrauter, schöner Teil seines Ramadans.
Ein liebevoller Begleiter durch den Monat ist ein Ramadan-Kalender, der die Tage sichtbar macht. → der Ramadan-Kalender mit Gebetszeiten Für kreative Pausen eignen sich schöne Ramadan-Ausmalbilder. → Ramadan-Ausmalbilder zum Ausdrucken Und wer verstehen möchte, wo der Ramadan im Jahr steht, findet hier die Übersicht der islamischen Monate. → die 12 islamischen Monate
5. Hadsch – die Pilgerfahrt nach Mekka

Was ist die Hadsch?
Die Hadsch ist die fünfte Säule des Islam: die Pilgerfahrt zur Kaaba in Mekka. Einmal im Leben soll jeder Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, diese Reise antreten. Millionen Menschen aus aller Welt kommen dann zusammen – in derselben einfachen weißen Kleidung (Ihram), ohne Unterschied zwischen Arm und Reich, und rufen gemeinsam: „Hier bin ich, o Allah, hier bin ich.“ Es ist ein Vorgeschmack auf den Tag, an dem alle Menschen vor Allah stehen werden.
Was sagen Quran und Sunnah?
Allah hat die Hadsch denen zur Pflicht gemacht, die dazu in der Lage sind: „…Und Allah gegenüber obliegt es den Menschen, die Pilgerfahrt zum Hause zu vollziehen – wer dazu die Möglichkeit hat.“ (Sure Al-Imran 3:97)
Schon dem Propheten Ibrahim (aleihi salam) trug Allah auf, die Menschen dazu zu rufen: „Und rufe unter den Menschen die Pilgerfahrt aus, so werden sie zu dir kommen…“ (Sure Al-Hadsch 22:27)
Und der Lohn? Der Prophet ﷺ sagte: „Eine angenommene Hadsch hat keinen geringeren Lohn als das Paradies.“ (Sahih al-Bukhari & Sahih Muslim)
Die Zahlen auf einen Blick
- Die Hadsch findet im Dhul-Hidscha statt, dem 12. Monat im islamischen Kalender
- Die Riten dauern etwa fünf bis sechs Tage
- In den letzten Jahren kamen rund 1,7 bis 1,8 Millionen Pilger zusammen
- Sie ist einmal im Leben Pflicht – für jeden, der gesund und finanziell in der Lage ist
Wie erkläre ich die Hadsch meinem Kind?
Kinder können noch nicht zur Hadsch reisen – aber sie können die Geschichten dahinter lieben lernen. Denn fast jeder Ritus erzählt von Ibrahim (aleihi salam) und seiner Familie:
- Wenn Pilger zwischen den Hügeln Safa und Marwa hin- und herlaufen, ahmen sie Hadschar nach, die nach Wasser für ihr Baby Isma'il suchte – bis Allah die Quelle Zamzam sprudeln ließ.
- Die Kaaba selbst wurde von Ibrahim und Isma'il (alaihima as-salam) auf Allahs Geheiß errichtet.
- Das Steinewerfen erinnert daran, wie Ibrahim die Einflüsterungen des Schaytan zurückwies.
Erzähl deinem Kind diese Geschichten wie Abenteuer – von Mut, Vertrauen und Liebe zu Allah. Wenn dein Kind die Geschichten Ibrahims liebt, ist unser Buch „Allahs Freund Ibrahim“ ein wunderbarer Begleiter.
Ein schöner Tipp: Bastelt gemeinsam eine kleine Kaaba aus einem Karton und macht die Umrah spielerisch nach – einmal herum (Tawaf) und zwischen Safa und Marwa hin und her. Und falls ihr die Möglichkeit habt: Macht doch selbst einmal eine Umrah im Urlaub. Die „kleine Pilgerfahrt“ ist das ganze Jahr über möglich – und für ein Kind ein unvergessliches Erlebnis, das alle Geschichten lebendig werden lässt.
Eng mit der Hadsch verbunden ist das Opferfest (Eid al-Adha), das an Ibrahims Opferbereitschaft erinnert. → warum Muslime das Opferfest feiern
Wie erkläre ich die 5 Säulen meinem Kind?
Du musst kein Gelehrter sein und nicht alles auf einmal vermitteln. Viel wichtiger als perfektes Wissen ist die Art, wie du es weitergibst. Vier einfache Prinzipien helfen dir dabei.
1. Jedes Alter hat seinen Zugang
Ein Dreijähriger lernt anders als ein Neunjähriger. Bei den Kleinen geht es ums Mitmachen und Miterleben – die Stimmung beim Iftar, die Bewegungen beim Gebet, das Geld im Spendenglas. Erst später kommen Erklärungen, Begründungen und die tiefere Bedeutung dazu. Überfordere dein Kind nicht mit allem gleichzeitig, sondern gib ihm das, was zu seinem Alter passt – so wie in den Abschnitten oben beschrieben.
2. Wiederholung schlägt Vollständigkeit
Kinder lernen nicht durch lange Vorträge, sondern durch das, was sie immer wieder erleben. Ein kurzer Satz über Allah, jeden Tag liebevoll wiederholt, prägt sich tiefer ein als eine einmalige große Erklärung. Mach die Säulen zu festen kleinen Ritualen – Tag für Tag, Woche für Woche.
3. Verbinde die Säulen mit guten Gefühlen
Was ein Kind mit Wärme, Geborgenheit und Freude verknüpft, bleibt fürs Leben. Lass das Gebet eine ruhige, schöne Zeit sein, das Fasten ein gemeinsames Abenteuer, das Geben einen Glücksmoment. Vermeide es, den Glauben mit Druck, Angst oder Strafe zu verbinden. Am Anfang soll sich das Herz deines Kindes vor allem mit Liebe zu Allah hinwenden – die Ehrfurcht wächst später ganz von selbst dazu.
4. Sei dein eigenes Vorbild
Kinder tun selten, was wir sagen – aber fast immer, was wir vorleben. Wenn dein Kind sieht, dass du selbst mit Freude betest, gern gibst und im Ramadan fastest, wird es das ganz natürlich nachahmen wollen. Dein gelebtes Beispiel ist der stärkste Unterricht, den es gibt. Wenn du noch tiefer verstehen möchtest, wie schon der Prophet ﷺ Kinder erzogen hat, ist unser Buch „Bewusst islamisch erziehen“ ein wunderbarer Wegweiser – dieser prophetische Geist zieht sich durch alles, was wir hier beschreiben.
Mit Geduld, Liebe und etwas Beharrlichkeit wächst dein Kind ganz von selbst in diese fünf Säulen hinein. Wie das auch im modernen Alltag zwischen Schule, Medien und Freunden gelingt, vertiefen wir hier: → islamische Erziehung in der modernen Welt
Die 5 Säulen im Familienalltag
Wissen wird lebendig, wenn es Teil des Alltags wird. So holst du die fünf Säulen vom Papier in euer Familienleben.
Feste Rituale Woche für Woche
Kinder lieben Routinen. Betet, wann immer möglich, gemeinsam – schon ein Gebet am Tag zusammen schafft Verbindung. Macht den Freitag zu einem kleinen Höhepunkt. Sucht euch einen festen „Spendentag“, an dem dein Kind etwas ins Spendenglas legt. Solche wiederkehrenden Momente geben dem Glauben einen verlässlichen Platz in der Woche.
Mach die Säulen sichtbar
Was Kinder vor Augen haben, vergessen sie nicht. Ein Poster der fünf Säulen im Kinderzimmer, ein Gebetskalender an der Wand, das Spendenglas auf dem Regal – solche kleinen Erinnerungen wirken Tag für Tag, ganz ohne Worte.
Vermeide häufige Fallen
- Zu viel auf einmal: Lieber eine Säule liebevoll leben als alle fünf mit Druck.
- Vergleiche: „Schau mal, wie gut XY betet“ entmutigt mehr, als es motiviert. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo.
- Glaube als Strafe: Das Gebet sollte nie als Bestrafung dienen. Sonst verknüpft dein Kind etwas Schönes mit etwas Negativem.
- Nur reden, nicht vorleben: Kinder spüren, ob wir selbst leben, was wir lehren.
Wenn du diese Tipps beherzigst, wächst dein Kind ganz natürlich in die fünf Säulen hinein.
Und dabei unterstützen wir dich bald ganz konkret: Unser umfangreiches, unterhaltsames und lehrreiches Workbook zu den 5 Säulen des Islam ist in Arbeit – ein liebevoll gestaltetes Arbeitsheft für Kinder von 5 bis 8 Jahren, mit Geschichten, Ausmalbildern und Quizzes. Coming soon! Trag dich jetzt ein und verpasse den Launch nicht.
📘 5-Säulen-Workbook – Coming soon!
Trag dich ein und sei beim Launch als Erste(r) dabei.
Häufige Fragen zu den 5 Säulen des Islam
Was sind die 5 Säulen des Islam?
Die fünf Säulen des Islam sind Schahada (das Glaubensbekenntnis), Salah (die fünf täglichen Gebete), Zakah (die Pflichtabgabe für Bedürftige), Sawm (das Fasten im Ramadan) und Hadsch (die Pilgerfahrt nach Mekka). Sie bilden das Fundament der islamischen Glaubenspraxis.
Was ist die wichtigste Säule?
Die Schahada ist die erste Säule und die Grundlage aller anderen: Ohne den Glauben an Allah und daran, dass Muhammad ﷺ Sein Gesandter ist, sind die übrigen Säulen nicht möglich. Verpflichtend sind jedoch alle fünf.
Ab welchem Alter müssen Kinder die Säulen einhalten?
Verpflichtend werden die Säulen erst mit Eintritt der Pubertät. Vorher führen Eltern ihre Kinder liebevoll und schrittweise heran – das Gebet etwa wird ab rund sieben Jahren spielerisch geübt (Abu Dawud 495). Es geht in dieser Zeit um Gewöhnung mit Freude, nicht um Pflichterfüllung.
Ist die Schahada genug, um Muslim zu sein?
Wer die Schahada aufrichtig spricht und an ihre Bedeutung glaubt, tritt damit in den Islam ein. Doch der Islam ist nicht nur ein Bekenntnis mit Worten – er verlangt auch das Handeln danach. Ein Muslim glaubt fest daran, dass die Säulen verpflichtend sind; wer eine Säule grundsätzlich leugnet, etwa die Pflicht des Gebets, verlässt damit den Islam. Wie zentral besonders das Gebet ist, zeigt eine bekannte Meinungsverschiedenheit der Gelehrten: Die Mehrheit sieht denjenigen, der das Gebet aus Trägheit unterlässt, als schwer sündigen, aber weiterhin gläubigen Muslim – die hanbalitische Schule hingegen betrachtet das vollständige Aufgeben des Gebets als Verlassen des Islam. So oder so wird deutlich: Das Gebet ist das Herzstück des gelebten Glaubens. (Über den Glauben einzelner Menschen zu urteilen, steht uns dabei nicht zu – wir denken stets gut über andere.)
Wer muss Zakah bezahlen?
Zakah ist Pflicht für Muslime, deren Vermögen über dem Mindestmaß (Nisab) liegt und ein Mondjahr lang in ihrem Besitz war. Der Nisab entspricht ungefähr 85 g Gold oder dem niedrigeren Silber-Wert. Die Zakah beträgt 2,5 % dieses Vermögens. Kinder und Menschen unterhalb des Nisab sind nicht dazu verpflichtet.
Müssen Kinder im Ramadan fasten?
Nein – verpflichtend wird das Fasten erst ab der Pubertät. Vorher sollten die Kinder behutsam herangeführt werden, etwa indem sie stundenweise mitfasten. Wichtig ist, dass es ihnen dabei gutgeht; bei Unwohlsein sollte das Fasten sofort gebrochen werden.
Was passiert, wenn man die Hadsch nicht machen kann?
Die Hadsch ist nur für Muslime Pflicht, die finanziell und körperlich dazu in der Lage sind und sicher reisen können. Wer diese Bedingungen nicht erfüllt, trägt keine Schuld – die Pflicht besteht ausschließlich für die, die wirklich dazu fähig sind.
Sind die 5 Säulen die einzigen Pflichten im Islam?
Nein. Die fünf Säulen sind das Fundament der gottesdienstlichen Praxis, schließen weitere Pflichten aber nicht aus – etwa Wahrhaftigkeit oder die gute Behandlung der Eltern. Davon zu unterscheiden sind außerdem die sechs Glaubensartikel (Iman): der Glaube an Allah, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Gesandten, den Jüngsten Tag und die göttliche Vorherbestimmung.
Zum Schluss: ein Anfang, kein Pensum
Vielleicht fühlt sich das alles nach viel an – fünf Säulen, Verse, Erklärungen für jedes Alter. Doch atme einmal durch: Du musst heute nicht alles auf einmal schaffen. Die fünf Säulen sind kein Pensum, das abgearbeitet werden muss, sondern ein Weg, den du gemeinsam mit deinem Kind gehst – Schritt für Schritt, mit Liebe und Geduld.
Fang einfach an. Ein gemeinsames Gebet. Eine kleine Geschichte über Ibrahim (aleihi salam). Ein Geldstück im Spendenglas. Aus solchen kleinen Momenten wächst über die Jahre etwas Großes: ein Kind, das Allah aus Wissen anbetet und eine starke islamische Identität entwickelt.
Möge Allah dir die Kraft und die Weisheit schenken, deinem Kind diesen Weg zu ebnen – und möge Er den Iman fest in seinem Herzen verwurzeln. Amin.
Mehr kindgerechte Inhalte für deine Familie? Hier für unseren Newsletter anmelden.